Carrozzeria Touring

1926

1926 übernahmen die beiden Juristen Felice Bianchi Anderloni (1882-1948) und sein Freund Gaetano Ponzoni die Aktienmehrheit der in Mailand ansässigen Carrozzeria Falco Vittorio Ascari. Das Unternehmen gehörte bis dato dem Bruder des bekannten Rennfahrers Antonio Ascari, der ab 1923 für Alfa Romeo fuhr. Antonio hatte für seinen Rennstall zwei Pokale in Cremona geholt und 1924 den Großen Preis von Italien in Monza gewonnen. In der neuen Carrozzeria Touring, wie die Carrozzeria Falco Vittorio Ascari ab der Übernahme hieß, arbeitete der talentierte Anderloni als Designer, während der Ex-Banker Ponzoni sich hauptsächlich mit der Geschäftsführung befasste.
Bekannt wurde die kleine Firma aufgrund ihrer extrem leichten Karosserien, die sie sich unter dem Namen Superleggera patentieren ließ. Die Grundkonstruktion bestand aus einem dreidimensionalen Gestänge, das sich aus Profilen unterschiedlicher Dimensionen zusammensetzte. Anderloni, der bei der Entwicklung der neuen Karosserieform mit dem Automobilhersteller Cesare Isotta Fraschini zusammenarbeitete, verwendete Magnesium, Aluminium sowie deren Legierungen und Stahl. Im Gegensatz zu den damals gängigen Eschenholzrahmen vereinfachte das Konzept den Bau von Kleinserien beziehungsweise Prototypen.
Touring Superleggera

Zu den Zielen der Carrozzeria Touring gehörte neben der Gewichtsersparnis die Minderung des Luftwiderstandes. Als eines der ersten Unternehmen experimentierte Touring mit Windkanälen. Das erste Fahrzeug, das 1937 nach dem neuen Prinzip entstand, war der Alfa Romeo 6C 2300 B. Anderloni entwarf für Alfa Romeo die Modelle 6C 1500 – 2500, 8C 2300 – 2900, Villa d’Este, 1900 Super Sprint, den 2000er, den 2600er Spider sowie die Giulia Sprint GTC. Hinzukamen Arbeiten für weitere namhafte Hersteller wie Aston Martin, Bentley, Ferrari, Fiat, Lamborghini, Lancia und Maserati. Gebaut wurden die Entwürfe allerdings nur zum Teil von der Carrozzeria Touring.
1948, nach dem Tod Anderlonis, übernahm dessen gleichnamiger Sohn Felice die Geschäftsführung. Der langjährige Freund des Vaters, Gaetano Ponzoni, begleitete ihn. In den 1950er Jahren blühte die Carrozzeria Touring auf, die dort gefertigten Modelle wurden für viele Automobilhersteller wegweisend. Anfang der 1960er Jahre erhielt das Unternehmen einen Großauftrag der britischen Roots-Gruppe. Die Stornierung dieses Engagements, für das ein neues Werk in Nova Milanese entstanden war, führte zum wirtschaftlichen Ruin. Ende 1966 schloss die Carrozzeria Touring für immer die Pforten. Heute zählen die exklusiven Fahrzeuge zu den gesuchtesten Oldtimern überhaupt und erreichen bei Auktionen Spitzenpreise.