Autodelta SpA

1963 - 1982, Italien

Am 5. März 1963 gründete der italienische Ingenieur für Luftfahrttechnik Dr. Carlo Chiti (1924-1994) gemeinsam mit dem Ingenieur Lodovico Chizzola die Firma Autodelta SpA (auch Auto-Delta beziehungsweise Auto Delta geschrieben). Der in Tavagnacco (Provinz Udine) ansässige Betrieb spezialisierte sich auf die Entwicklung, den Bau sowie das Tuning von Motorsportfahrzeugen. Chizzola besaß ursprünglich einen Alfa Romeo Handel in Udine, Chiti arbeitet unter anderem für Ferrari. Aufgrund der Affinität der Firmengründer zu Alfa Romeo ergab sich von Anfang an eine enge Zusammenarbeit. Erklärtes Ziel war die Unterstützung des italienischen Automobilherstellers bei der Rückkehr zum Rennsport. Alfa Romeo hatte sein Engagement zu Beginn der 1950er Jahre aufgegeben.

TZ 1 und TZ 2 – die ersten Rennfahrzeuge aus dem Hause Autodelta

Der erste straßentaugliche Rennwagen, den Autodelta überarbeitete, war der Alfa Romeo TZ 1. Die Ursprungsversion des auf der Giulia basierenden Fahrzeugs stammte von Zagato. In der Rennversion von Autodelta erzielte der TZ 1 einige gute Platzierungen. Allerdings kam es öfters zu technischen Ausfällen, sodass Chiti und Chizzola sich zu einer Neukonstruktion entschlossen. Ab 1964 startete der TZ 2 als Nachfolger des TZ 1. Die Motorleistung erhöhten die Konstrukteure von ursprünglich 113 PS auf 165 PS. Im Gegenzug verbesserten sie das Fahrwerk und verminderten das Gewicht von 660 Kilogramm auf 620 Kilogramm. Für den Rallyesport baute Autodelta die Giulia TI Super. Die neu entwickelte Giulia GTA konnte eine Reihe von Erfolgen im Tourenwagensport erringen. Alfa Romeo entschied sich dafür, die GTA statt der TI Super in den Vordergrund zu stellen. Die Produktion des TZ 2 endete 1967 nach der Produktion von lediglich zwölf Fahrzeugen.

Übernahme durch Alfa Romeo

Während der Entwicklung des TZ 2 war Autodelta bereits für den Rennstall von Alfa Romeo verantwortlich und nach Settimo Milanese bei Mailand umgezogen. Die direkte Nähe zu dem Automobilhersteller ermöglichte eine bessere Zusammenarbeit. Das nahe gelegene Alfa Romeo Versuchsgelände in Balocco erlaubte sofortige Tests neuer Konstruktionen. Trotz der sich aus der Standortverlegung ergebenden Vorteile blieb Chizzola in Udine. 1966 übernahm der damals noch staatliche Automobilhersteller die innovative Werkstatt. Autodelta blieb unter der Führung des Firmengründers als rechtlich selbstständige Tochter bestehen. Werks-Tourenwagen von Alfa Romeo traten ausschließlich unter dem Markennamen mit dem Autodelta-Logo, einem Dreieck mit schwarz-weißem Zielflaggen-Karo, an. Dies begründete sich unter anderem dadurch, dass Alfa Romeo ein indirektes Engagement im Rennsport bevorzugte. Motorsportler sowie "Möchtegernrennfahrer" konnte ihren Alfa Romeo individuell von Autodelta tunen lassen. Das Unternehmen boomte.

Autodelta und Alfa Romeo – eine (fast) unschlagbare Verbindung

Ab Mitte der 1960er Jahre bis in die 1970er Jahre entwickelte Autodelta für Alfa Romeo zahlreiche Rennsport-Variationen der Giulia GTA sowie des Tipo 33/3. Rund 20 Jahre dominierten die Erfolgsmodelle die Rennstrecken Europas. Die Werksfahrer Andrea de Adamich und Henri Pescarolo holten am 04. April 1971 mit dem Tipo 33/3 den ersten Gesamtsieg in der Marken-Weltmeisterschaft für Alfa Romeo. 1974 kam der Sportwagen- und Formel-1-Rennfahrer Arturo Merzario (*1943) zu Autodelta. Nach seinem letzten Rennen begann er mit Testfahrten für das Unternehmen. 1975 gewann Merzario mit einem 500 PS starken T33/TT/12 den ersten WM-Titel für den italienischen Automobilhersteller seit 1951. Mitte der 1970er Jahre begann die Rennwagenschmiede, exklusiv für den britischen Rennstall Brabham Formel-1-Motoren zu entwickeln. Der Brabham BT 45 bestand mit seinem Autodelta-Motor 1976 sein Debüt beim Grand Prix glanzvoll. Niki Lauda errang mit einem von Autodelta stammenden 12-Zylinder-Boxermotor im Brabham BT46 im Jahr 1978 zwei Grand Prix Siege.

Das traurige Ende einer Erfolgsgeschichte

In der Zeit von 1979 bis 1982 leitete Autodelta das Alfa Romeo Engagement in der Formel 1. Die Rennwagenschmiede organisierte die Renneinsätze und entwickelte sowohl die Fahrzeuge als auch die Motoren. Da jedoch große Siege ausblieben, zog sich der Automobilhersteller nach Ende der Formel-1-Saison 1982 aus dem Rennsport zurück. Das italienische Team Euroracing kaufte die Ausrüstung von Autodelta auf. Euroracing nahm zwischen 1983 und 1985 eigenverantwortlich unter dem Namen Alfa Romeo, jedoch ohne dessen Beteiligung, an der Formel 1 teil. Nach der Übernahme durch Fiat 1982 endet die Geschichte von Autodelta. In einem Interview von Motor Klassik sagte Merzario: "Chiti durfte das Werk nie mehr betreten". Anfang des 21. Jahrhunderts reaktivierte Alfa Romeo die Traditionsabteilung. Gabriele Tarquini siegte 2002 und 2003 mit einem 156er GTA bei der Tourenwagen-Europameisterschaft. Autodelta selbst gibt es jedoch nicht mehr.

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