Auto Carrosserie Willy Bernath

1938 - 1946, Schweiz

In der Schweizer Gemeinde La Chaux-de-Fonds (Kanton Neuenburg) übernahm Willy Bernath (1914-1991) im Jahr 1938 eine 1924 von seinem Vater gegründete Kfz-Werkstatt. Bernath hatte zuvor sowohl in Hamburg als auch in Zürich die Ausbildung zum Karosseriespengler absolviert. Der Skiathlet, der in Davos 1936 die Viererkombination gewann, war vor der Übernahme des väterlichen Betriebs mehrere Monate in den Staaten. Von dort brachte er seine Inspirationen für seine etwas extravaganten Modelle mit. Insgesamt baute der Designer circa 25 Karosserien für europäische Oberklassenfahrzeuge, die meisten davon sind verschollen. Zu seinen Auftraggebern gehörten neben Besitzern von Lancia-Chassis unter anderem Eigentümer von Mercedes-Benz-, Jaguar-, Auburn-, Citroën und Talbot-Lago-Fahrgestellen. Die Karosserieschmiede baute außerdem einen einzigen Alfa Romeo 6C 1750.

Bernath kleidete allerdings keine fabrikneuen Chassis ein, sondern fertigte überwiegend sogenannte Zweitaufbauten an. Bei Zweitaufbauten handelt es sich um Karosserien, bei denen neue Konstruktion bereits vorhandene Aufbauten ersetzen.

Die Entwürfe Bernaths zeichneten sich durch ihre avantgardistische Gestaltung aus. Sie stellten eine gelungene Mischung aus Stromlinie, Eleganz und Luxus mit Spuren des Art déco dar. Kennzeichnend war ein oberhalb der Stoßstange horizontal angeordneter Kühlergrill, der sich über die gesamte Wagenbreite ausdehnte, ein Novum im Karosseriebau. Versteckte Scheinwerfer und eine spitz zulaufende Motorhaube ergänzten die ausgefallene Form. Der Karosseriebauer orientierte sich dabei an Arbeiten von bekannten Designern wie Hermann Graber oder Battista Farina. Die Bauweise aus Aluminiumblechen auf einem Stahlgerüst ähnelte der Superleggera-Methode der Carrozzeria Touring. Bernath ließ sich seine Aufbaumethode als Brevet Bernath schützen.

Während des Zweiten Weltkriegs setzte das Unternehmen seine Arbeit fort. So entwickelte Bernath beispielsweise 1944 ein Cabriolet auf Basis eines Citroën. Nach Kriegsende gingen die Aufträge zurück. Bei dem letzten aus La Chaux-de-Fonds stammenden Fahrzeug handelte es sich um einen 1936er Auburn 851, den Bernath 1946 mit einer neuen Karosserie versah. Danach musste die Karosserieschmiede Insolvenz anmelden und schloss für immer die Tore.

Auto Carrosserie Willy Bernath

6C 1750 Gran Sport

1933 Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport Bernath