Carrozzeria Boneschi

1919, Italien

Giovanni Boneschi († 1946) gründete sein Unternehmen in Cambiago 1919. Ab 1922 konnte sich der Handwerksbetrieb als Lancia-Vertragshändler für Enrico Minetti etablieren und fertigte für den Händler exklusiv Karosserien an. In der Zeit von 1924 bis 1926 arbeitete Boneschi für die neu gegründete Marke Citroën Italien. Danach wendete sich der Karosseriebauer erneut Lancia zu. Zahlreiche Einzelanfertigungen sowie Kleinserien entstanden. Zu den bekannten Modellen aus dem Hause Boneschi zählen unter anderem der Dilambda (1928-1935), der Austura (1931-1939) und der Aprilia (1937-1949).

Im Zweiten Weltkrieg zerstörten alliierte Bomben die Anlage der Karosserieschmiede, 1946 baute Boreschi sie wieder auf. Er verstarb jedoch im selben Jahr. Bruno Pezzaglie, der gute Kontakte zu Alfa Romeo pflegte, übernahm die Unternehmensführung. Unter seiner Regie begann ein goldenes Zeitalter. 1948 bekam die Carrozzeria Boneschi unter anderem Aufträge zur Fertigung einer Ministerial-Version für den italienischen Staat und wahrscheinlich auch vom Vatikan. Die Modelle basierten auf dem Alfa Romeo 6C 2500T und erschienen in den Verkaufsprospekten. 1953 brachte das Unternehmen eine Kleinserie sowie eine gelungene Interpretation des Lancia Aurelia B53 auf den Markt. Im Jahr 1957 folgte der Alfa Romeo 1900 sowie die Alfa Romeo Giardinetta, eine Giuletta als Kombi in limitierter Auflage. 1960 erschien eine Sonderanfertigung des Alfa 2600 Cabriolets und des 2600 Coupés. In Zusammenarbeit mit Rodolfo Bonetto produzierte die Carrozzeria Boneschi im Jahr 1962 den bekannten Lancia Flaminia Spinner.

Als die Nachfrage für industrielle Nutzfahrzeuge stieg, sanken die Aufträge für Pkw-Karosserien. Die Carrozzeria Boneschi musste an die Fiat-Tochter Carrozzeria Savio (Moncalieri) verkaufen und fertigte von nun an Nutzfahrzeuge. Die Modelle basierten überwiegend auf Fiat-, OM- und Iveco-Fahrgestellen.

Heute gibt es die ehemalige Karosserieschmiede nur noch als Marke. Sie gehört noch immer zur Savio-Gruppe, die sich wiederum im Besitz der Omnia-Holding befindet. Aus einer ehemals erfolgreichen Karosserieschmiede wurde ein Hersteller für Gewerbefahrzeuge, gepanzerte Fahrzeuge sowie den Eisenbahnbau und die Produktion von Sanitärarmaturen.