Freestone & Webb

1923 - 1958, Vereinigtes Königreich

Im Jahr 1923 gründeten die Briten V. E. Freestone und A. J. Webb das Karosseriebauunternehmen Freestone & Webb im Londoner Stadtteil Willesden. Freestone hatte zuvor für Crossley Motors und, genau wie Webb, für die englische Niederlassung des französischen Automobilherstellers Sizaire-Berwick gearbeitet. Zu den ersten Modellen der jungen Karosserieschmiede gehörten einige Bentleys. Die handwerklich ausgezeichnete Arbeit sowie der geschmackvolle Stil sorgten dafür, dass sich das Unternehmen schnell einen guten Ruf erwarb. Insgesamt entwarfen die Designer bis in die späten 1920er Jahre 230 Bentley-Karosserien.

Nachdem Bentley 1929 Insolvenz anmeldete, konzentrierte sich der Handwerksbetrieb auf Rolls-Royce. Einige der Aufbauten entstanden im Weymann-Verfahren, ein Holzaufbau mit Lederbezug. Besonders innovativ war die 1925 konstruierte, auf einem Packard-Fahrgestell basierende Six Serie 333. Bei dieser Limousine ließ sich das Dach im vorderen Teil anheben und über den rückwärtigen Part schieben. Bekannt wurde Freestone & Webb für die eleganten Karosserien auf Delage-Basis. Zum Markenzeichen der englischen Karosserieschmiede entwickelte sich der sogenannte Razor-Edge-Look, den die Designer 1935 erstmals bei einem Bentey-Chassis verwendeten.

Im Gegensatz zu den meisten britischen Karosserieherstellern konzentrierte sich Freestone & Webb nicht nur auf heimische Automobilmarken. So entwickelten die Konstrukteure in den 1930er Jahren beispielsweise eine Vielzahl von Aufbauten für Mercedes-Benz-Fahrgestelle. In der Zeit von 1929 bis 1932 stellte Alfa Romeo 2579 Chassis des 6C 1750 her. Ein Captain E.G. Altenborogh ließ 1933 die Karosserie für seinen Alfa Romeo 6C von den Briten konzeptionieren. Herauskam ein Unikat mit der Bezeichnung Alfa Romeo 6C 1750 GTC Freestone & Webb. Den wunderschönen, zweisitzigen Roadster fuhr Altenborough bis in die 1950er Jahre. Der Wagen ging dann in die USA und kam erst 1995 nach Europa zurück. Heute befindet sich der wertvolle Oldtimer im Besitz des Österreichers Dr. Andreas Kaufmann, der ihn bei Classic-Treffen der Öffentlichkeit präsentiert.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Freestone & Webb für das Kriegsministerium, nach Kriegsende nahm das Unternehmen die Produktion von Karosserien für Zivilfahrzeuge wieder auf. Als die Nachfrage nach Sonderaufbauten in den 1950er Jahre zurückging, geriet der Betrieb in finanzielle Schwierigkeiten. Nach dem Tod A. J. Webbs 1957 wurde die Karosserieschmiede an die Swain-Gruppe veräußert, 1958 stellte Freestone & Webb die Karosserieproduktion ein. Durch die Verbandelung mit dem Rolls-Royce-Händler H. R. Owen entstand aus dem ehemals erfolgreichen Karosseriebauunternehmen ein reines Autohandelshaus. 1963 kaufte Harold Radford Coachbuilders die Namensrechte. Mit der Schließung von Radfords Firma 1975 verschwand auch der Name Freestone & Webb.