Gläser-Karosserie GmbH

1864 - 1952, Deutschland

Der Ursprung einer der bedeutendsten Karosseriebauunternehmen Deutschlands liegt im Jahr 1864. Der aus dem Erzgebirge stammende Sattlermeister und Stellmacher Carl Heinrich Gläser (1831-1902 oder 1903) gründete in Dresden eine Firma für den Bau hochwertiger Kutschen und Schlitten. Einige Teile für seine Modelle fertigte sein Freund und späterer Geschäftspartner an, der aus dem sächsischen Radeberg stammende Wagner und Hufschmied Friedrich August Emil Heuer (1857-1934). Aufgrund der exzellenten handwerklichen Qualität erwarb sich Gläser schnell einen ausgezeichneten Ruf und erhielt Aufträge aus dem königlichen Marstall. Ab 1865 oder 1870, die Quellen differieren wie beim Todesdatum Gläsers, durfte der Handwerker den ehrenhaften Titel eines königlichen Hofwagenbauers führen. Kurz vor der Jahrhundertwende, 1898, trat Heuer als Teilhaber in das Unternehmen ein. Er hatte 1885 die Tochter Gläsers geheiratet. Heuer war von der Zukunft der Automobile überzeugt und beschäftigte sich im Gegensatz zu Gläser, der seinem Partner heftigen Widerstand entgegensetzte, mit dem Karosseriebau.

Nach dem Tod Gläsers übernahm Heuer zusammen mit seinen Söhnen die Firma. Er benannte den Betrieb laut Dresdner Stadtteile in Luxuswagenfabrik Heinrich Gläser um. Zu dieser Zeit begann die Serienfertigung von Karosserien. 1905 baute die Karosserieschmiede in Zusammenarbeit mit Emil Nacke ein Jagdmobil für den sächsischen König. Ab 1913 erweiterte Heuer das Unternehmen und vereinte sämtliche Betriebe auf einem einzigen Fabrikgrundstück. Das ehemalige Geschäftslokal ließ er in einen Ausstellungsraum für Luxuswagen umgestalten. Bis 1945 entstanden in der Karosseriewerkstatt zahlreiche verschiedene Karosserietypen, angefangen beim Landaulet, dem Phaeton und dem Pullmann über die elegante Limousine bis hin zum Coupé und dem sportlichen Cabriolet. Es handelte sich bei den Fahrzeugen sowohl um Kleinserien als auch um individuelle Einzelanfertigungen.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich Gläser-Karosserien zu einem begehrten Gut. Fast alle bekannten europäischen sowie viele amerikanische Automobilhersteller orderten in Dresden. Unter anderem arbeitete Gläser für Alfa Romeo, BMW, Bugatti, Cadillac, Citroën, Ford, Horch, Lancia, Maybach, Mercedes-Benz, Packard, Steiger und Stoewer.

1918 zog sich Heuer aus der Geschäftsführung zurück und übergab an seine Söhne Georg und Erich. Georg war für die Entwicklung der Karosserien verantwortlich, Erich kümmerte sich mehr um die betriebswirtschaftliche Seite. Die von Georg geschaffenen Cabriolets der 1930er Jahre zeichneten sich durch ihre ausgewogene Symmetrie genauso aus, wie durch ihre harmonische Linienführung. Ein Meilenstein im Karosseriebau war das sechsfenstrige Pullmann-Cabriolet, eine gestalterische Meisterleistung und ein technisch-konstruktives Novum. Die Karosserieschmiede setzte einfache, aber effektive Mechanismen für ihre Klappverdecke ein, die sie sich patentieren ließen. Als die Stornierung eines Großauftrags von General Motors das Traditionsunternehmen in finanzielle Schwierigkeiten brachte, beging Georg 1932 Selbstmord. Daraufhin trat Heuer sen. erneut in die Geschäftsführung ein und nahm 1934 seinen Schwiegersohn Willy Bochmann als Teilhaber hinzu. Im selben Jahr wandelte Heuer die bis dato inhabergeführte Firma in eine GmbH um.

Bei der neuen Bezeichnung für die Karosserieschmiede grassieren einen Reihe von Variationen. Die Dresdner Stadtteile bezeichnen die Werkstatt als Karosseriebaufabrik Gläser, das Johannstadtarchiv nennt den Betrieb Karosseriebau Gläser, Wikipedia spricht von Gläser-Karosserie, das Verkehrsmuseum Dresden von Gläser-Karosserie GmbH und die KWD Automotiv von der Gläserkarosserien GmbH in Dresden. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass das Verkehrsmuseum Dresden den korrekten Firmennamen, also Gläser-Karosserie GmbH, verwendet. Sicher ist, dass die Karosserieschmiede während der sozialistischen Staatsherrschaft in VEB Karosseriewerke Dresden umbenannt wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs entstanden in Dresden Rüstungsgüter, ab 1946 begann der Bau von Karosserien für die sowjetischen Besatzer. 1948 wurde die Familie enteignet, woraufhin die Heuers in den Westen gingen und in der Oberpfalz eine neue Karosserieschmiede eröffneten. Dort bauten sie zwischen 100 und 250 Cabriolets, bevor Heuer den Betrieb Anfang der 1970er Jahre schloss. In der DDR produzierte die Nachfolgefirma als einziger Karosseriebauer Cabriolets, nach der Wende wurde die Firma privatisiert und ist heute als KWD Automotive AG & Co.KG als Zulieferer für die Kfz-Branche tätig.

Gläser-Karosserie GmbH