Carrosserie Graber

1926 - 1970, Schweiz

Hermann Graber (1904-1970) übernahm 1926 in Wichtrach, im schweizerischen Kanton Bern, die Stellmacherei seines Vaters. Der junge Unternehmer stellte das Konzept vom Kutschenbau auf den Karosseriebau um. Schnell wurde Graber für seine hochqualitativen, eleganten und dabei zurückhaltenden Karosserien bekannt, die selbst der geniale Pininfarina lobte. Grabers Sonderkarosserien beruhten sowohl auf europäischen als auch auf amerikanischen Fahrgestellen.

Bei Grabers erstem Fahrzeug handelte es sich um ein zweisitziges Cabriolet, das auf einem Fiat 509 basierte. Für den Wagen entwarf er ein Scharniersystem, dass das Öffnen der Fahrzeugtüren wahlweise nach rechts oder links erlaubte, sodass der Graber-Fiat zwei Türgriffe besaß. Bekannt wurde das Unternehmen mit dem Panhard & Levassor 20 CV, mit dem es den Concours d'Elegance in St. Moritz gewann. Bis zum Zweiten Weltkrieg stellte die Carrosserie Graber zahlreiche Sonderkarosserien für namhafte Automobilhersteller wie Alfa Romeo, BMW, Bugatti, Packard, Bentley und Duesenberg her.

Für eine Zeitspanne von nahezu zwei Jahrzehnten arbeitete der Karosseriebauer für den britischen Luxuswagenhersteller Alvis. Das Besondere an den Modellen Grabers war der völlige Verzicht auf dekorative Ornamente und verspielte Details. So bestand das Armaturenbrett im Gegensatz zu den üblichen üppigen Holzarbeiten bei Grabers Fahrzeugen aus einem in Wagenfarbe lackierten Blech. Auch mit der Verwendung von Chrom ging der Karosseriedesigner eher sparsam.

Nach Kriegsende änderte der Schweizer erneut seine Strategie und wendete sich zunehmend britischen Fahrgestellen zu. Er baute wunderschöne Einzelstücke auf Basis von Rover, Lagonda und Rolls Royce sowie 35 Karosserien für Bentley. Im Jahr 1948 übernahm Graber für seinen langjährigen Auftraggeber Alvis die Generalvertretung in der Schweiz. Als der Alvis-Designer G.T. Smith-Clark den Luxusfahrzeughersteller verließ, begann Graber die Karosserien zu gestalten. Mit dem Tod Grabers 1970 endete auch die Geschichte der Carrosserie Graber. Insgesamt entstanden in Wichtrach circa 800 Fahrzeuge. Das Unternehmen blieb als Karosseriereparaturwerkstatt bestehen, bis es ein bekannter Schweizer Oldtimer-Restaurator 2001 übernahm.