Carrosserie Worblaufen, F. Ramseier & Co.

1929 - 1958, Schweiz

Der Ursprung der Schweizer Carrosserie Worblaufen, F. Ramseier & Co. bei Bern liegt im Jahr 1900. Die Firma ist nicht zu verwechseln mit der Bieler beziehungsweise Berner Carrosserie Ramseier.

Unter dem Firmennamen Fritz Ramseier Wagenbau stellten der Stellmacher Fritz Ramseier-Scheidiger (1872-1936) und der Schmiedemeister Gottfried Bärtschi Pferdewagen her. 1929, als die Söhne Ramseier-Scheidigers in den Betrieb eintraten, änderten sie das Konzept und wandten sich dem Karosseriebau zu. Nun produzierte der Handwerksbetrieb keine Kutschen mehr, sondern Sonderkarosserien für Luxusfahrzeuge mit sportlich-elegantem, offenem Aufbau. Ramseier-Scheidigers Sohn Fritz arbeitet als Zeichner und Designer im väterlichen Betrieb, Hans als Karosseriespengler, Ernst war für den Verkauf verantwortlich. Bereits 1931 präsentierte Worblaufen an einem Stand auf dem Genfer Autosalon erstmals ein eigenes Fahrzeug.

Schnell machte sich die Schweizer Karosserieschmiede mit ihren exklusiven Einzelstücken auf Basis teurer Automobilmarken einen Namen. Berühmt wurden die Automobile durch die Alfa Romeo-Kreationen, wie beispielsweise das Cabriolet 6C 2300 B von 1938. Bis heute gilt der 6C 2300 B als eines der schönsten Fahrzeuge der Schweizer Designer. Das patentierte Verdeck des Cabriolets ließ sich dank integrierter Spiralfedern mit einer Hand bedienen und sehr klein zusammenfalten. Kennzeichnend für alle Fahrzeuge aus Worblaufen war eine besonders schlanke Form mit einer für damalige Zeiten ultramodernen, windschnittigen Karosserie.

Die ausgezeichnete handwerkliche Arbeit sowie die innovative Modellgestaltung der Karosseriebauer sorgten für Aufträge aus aller Welt. Neben den Kreationen für Alfa Romeo entwarf die Werkstatt Sonderkarosserien für Bugatti, Cadillac, Rolls-Royce, Bentley sowie zahlreiche andere namhafte Automobilhersteller.

Während des Krieges hielt sich der Betrieb mit Armeeaufträgen, der Herstellung von Heizöfen, Kühlschränken und Holzgasgeneratoren über Wasser. Nach Kriegsende kam ein Großauftrag von Alfa Romeo sowie Lancia, sodass die Carosserie Worblaufen eine größere Halle benötigte. 1949 baute sie dort eine Kleinserie des Peugeot 203 Cabriolets. 1950 präsentierte die Karosserieschmiede auf dem Genfer Autosalon ein gelungenes Cabriolet auf Basis eines Bentley Mark VI.

Als jedoch die Automobilhersteller verstärkt selbsttragende Karosserien einsetzten, sank in den 1950er Jahren die Nachfrage nach Sonderkarosserien drastisch. Das letzte Fahrzeug mit einem worblaufener Aufbau war ein Rolls-Royce Phantom III im Jahr 1955. Bis zum Verkauf 1958 übernahm das Traditionsunternehmen Reparaturaufträge und beschäftigte sich mit dem Bau von Nutzfahrzeugen, 1983 schloss die Carosserie Worblaufen endgültig ihre Tore.

Carrosserie Worblaufen, F. Ramseier & Co.